Update der Presseerklärung zu den Fußball-WM Tickets
Am 21. Januar 2005 veröffentlichten wir unsere Pressemitteilung zu den höchst bedenklichen Praktiken des Deutschen Fußball Bunds (DFB) bei der Datenerhebung zur Beantragung von Fußballweltmeisterschaft- Eintrittskarten. Wir freuen uns über den Erfolg, unserer geäußerten Kritik. Wir sind aber noch nicht zufrieden:
- Fragebogen
nach wie vor müssen Fans zu viele Daten angeben, wenn sie eine Eintrittskarte beantragen wollen.
Wir meinen:
Erhoben werden dürfen für die Bestellung Vorname, Name, Straße *oder* Postfach[1], Adresszusatz (optional), PLZ, Ort, "über 18" als ja/nein-Feld, Zahlungsinformationen, optional noch Telefon, Telefax und eMail-Anschrift
Insbesondere nicht auf einen privatwirtschaftlichen Antrag gehören:
Personalausweisdaten, Geburtsdatum, Zwang trotz Postfachs eine Straße angeben zu müssen, Nationalität und welches Nationalteam die Antragsteller unterstützen.
[1] auf Einzelheiten gehen wir weiter unten noch ein.
- Opt-In-Feld
Geändert ist nun, dass Anstragsteller explizite einwilligen müssen, wenn sie der Datenweitergabe zustimmen. Diese Zustimmung, die auf den ersten Blick sehr gut aussieht, hat mindestens zwei Haken, an der die Freiwilligkeit ausgehebelt wird:
- Zustimmungszwang
wenn Antragsteller Informationen des DFB haben wollen und eigenen Marketingmaßnahmen des DFB zustimmen, müssen sie gleichzeitig zwingend zustimmen, dass ihre Daten auch an die Fifa, Sponsoren und damit ins Ausland gehen. Eine Unterscheidung ist nicht vorgesehen. es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass Daten an große Adress-Marketing- und Scoringunternehmen etc. gehen.
- Aushebelung der Freiwilligkeit / Erschleichen der Einwilligung
Unterhalb des Feldes, wo Antragsteller ein Kreuz zur Zustimmung der Datenweitergabe machen sollen, steht unter der Überschrift "Zustimmung und Unterschrift": "Bitte beachten Sie, dass für eine Bestellung die Zustimmung zur Speicherung der persönlichen Daten und zu den ATGBs/Verkaufsrichtlinien unbedingt notwendig ist."
Dieser Satz ist datenschutzrechlich u.E. völlig sinnfrei (da die Speicheung gesetzlich geregelt ist), führt aber dazu, dass sich vermutlich 98% der Antragstellenden gezwungen sehen werden, das Kreuz bei der o.g. Einwilligung zu machen, wenn man eine Eintrittskarte haben möchte.
- Zustimmungszwang
- Datenschutzbestimmungen
Der DFB behält sich in seinen Datenschutzbestimmungen vor, alle Angaben (bis auf Zahlungs- und Ausweisdaten) zukünftig an weitere, derzeit noch unbekannte, Dienstleister weiter zu geben. Das bedeutet, das Antragsteller nicht absehen können, an wen diese Daten irgendwann einmal gehen sollen. Von informationeller Selbstbestimmung, wie sie das Bundesverfassungsgericht fordert, kann hier keine Rede mehr sein.
- Weitere Ungereimtheiten
Mittlerweile ist bekannt geworden, dass nur Antragsteller für Karten aus dem sogenannten freien Verkauf das entwürdigende Auskunftsverfahren über sich ergehen lassen müssen. So genannten VIPs (15.000 Euro pro Logenplatz) könne "solch eine Behandlung nicht zugemutet werden". Auch Karten, die an die "Fußballfamilie" gehen, werden nicht personalisiert. (Quelle: Sportbild)
Wer eine bezahlte, gültige Eintrittskarte hat, muss auch ins Stadion hineinkommen. So haben DFB-Leute in Fernsehinterviews bereits davon gesprochen, dass die Fans "gebeten werden, ihren Ausweis dabei zu haben" oder paternalistischer "gut beraten wären, wenn sie ihren Ausweis dabei hätten".
- RFID-Schnüffelchips
Auch die vielen Beteuerungen des DFB, wie nützlich ein RFID-Chip in der Eintrittskarte sei, kann nicht davon ablenken, dass diese Chips für die vom DFB genannten Zwecke (Verhinderung des Schwarzmarkts, Vermeidung von Hooligans im Stadion, Vermeidung von Fälschungen) ungeeignet ist. Der Schwarzmarkt wird, da sind sich die von diversen Fernseteams befragten Spezialisten einig, blühen wie immer -- höchsten etwas teurer dürften die Schwarzmarkt-Karten werden. Hooligans "seien kein Thema mehr", so sagte ein von der Presse befragter Stadionmanager. Die dritte Halbzeit wird in der Regel vor den Stadien gefeiert. Um einen Vermerk zu setzen, ob jemand im oder außerhalb des Stadions ist, reicht die herkömmliche Knipszange allemal oder herkömmliche Strichcode- oder Magnetstreifenticket- systeme.
Der Aufbau der Überwachungsstruktur geht unserer Meinung darauf zurück, dass der Sponsor Philips die WM als gigantische Werbeveranstaltung für diese Überwachungstechnik nutzen möchte. Wir haben wenig gegen Werbemaßnahmen, wo diese aber Freiheit, Demokratie und Sicherheit gefährden, hört der Werbespaß auf.
Die Daten auf dem RFID-Chip sind vielleicht nicht *personenbezogen*. Mittels der eindeutigen Seriennummer des Chips sind sie aber *personenbeziehbar*.
- Forderungen
- Wir fordern, dass die unbemerkt auszulesenden RFID-Chips nicht in die Eintrittskarten integriert werden.
- Die Fragen im Antrag müssen auf das unbedingt Notwendige reduziert werden (siehe oben)
- Personalausweisdaten dürfen an keiner Stelle erhoben und genutzt werden.
- Die Daten werden über den notwendigen Ablauf hinaus nicht weiter gegeben.
- Mit dem Fall des letzten WM-Tores werden die erwarteten 40 Millionen Datensätze unwiderruflich gelöscht.
- Weitere Erläuterungen / Einzelheiten
- Postfachanschrift
Im jetzigen Fragebogen darf keine Postfachanschrift angegeben werden.
- Geburtsdatum
Die Angabe eines Geburtsdatums ist für eine Bestellung nicht relevant. Da Eintrittskarten nur von Menschen über 18 beantragt werden können, reichte auch ein "ich bestätige mit meier Unterschrift, das sich über 18 Jahre alt bin". Die Abfrage von Geburtsdaten bei einfachen Bestellvorgängen vom Datenschutzgesetz nicht gedeckt. Das Datum dient lediglich der besseren Segmentierung von Kunden ("Damit ich Dich besser fressen kann"). Die Frage danach ist nicht gesetzlich legitimiert (weswegen auch die Deutsche Bahn bei Bahncards nicht nach dem Geburtsdatum fragen darf).
- Nationalität
Dies halten wir für eine der gefährlichsten Fragen. Noch dazu, wenn sie mit der Frage "welche Nationalmanschaft unterstützen Sie" verknüpft ist. Wie gedankenlos kann man sein, ausgerechnet in Deutschland so eine Frage zu stellen, auszuwerten und auch noch weitergeben zu wollen?
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23.09.2005 10:01 - Postfachanschrift


