Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite FoeBuD e.V. SocialSwarm Social Networks - Eine neue Agora für Demokratie und Menschenrechte?
Digitalcourage e.V. (vormals FoeBuD e.V.) | Marktstrasse 18 | D-33602 Bielefeld
Tel: 0521 16391639 | Fax: 0521 61172 | E-Mail: mail {bei} digitalcourage.de
Web: digitalcourage.de und www.foebud.org und www.bigbrotherawards.de und www.stoprfid.de
Unsere Arbeit ist nur mglich durch Ihre Spende!
Konto: 2138113 | BLZ: 48050161 | Sparkasse Bielefeld
Artikelaktionen

Social Networks - Eine neue Agora für Demokratie und Menschenrechte?

Soziale Netzwerke sind für immer mehr Menschen ein fester Bestandteil ihres Lebens. Dabei beschränkt sich die Nutzung von 'Social Networks' längst nicht mehr auf das Privatleben, sondern hat auch Einzug in die politische und soziale Öffentlichkeit gehalten. Es scheint fast, als wäre die antike Agora auferstanden. Denn auf dem virtuellen Marktplatz der sozialen Netzwerke wird auch Widerstand organisiert und eine kritische Masse mobilisiert. Es scheint daher, als hätten soziale Netzwerke das Potential, Teil einer neuen Infrastruktur für Demokratie im digitalen Zeitalter zu werden. Doch der Vergleich zu der Agora im antiken Griechenland hinkt.

Während das Internet von einer dezentralen Struktur getragen wird, gibt es unter den sozialen Netzwerken einen klaren Marktführer. Und der öffentliche Raum, der innerhalb dieser Netzwerke geschaffen wird, unterliegt den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eines global agierenden Konzerns. Wer Social Media für sich nutzen möchte, kommt kaum noch an Facebook vorbei. Datenschützer und Bürgerrechtlerinnen betrachten diese Entwicklung mit großer Sorge. Der virtuelle Raum bei Facebook ist keineswegs öffentlich in dem Sinne, dass alle frei ein- und austreten können. Der Eintritt ist nur scheinbar kostenlos, aber nicht kostenfrei.

Die Datenkrake Facebook streckt mit dem Like-Button und Facebook Analytics seine Tentakel nach immer größeren Bereichen des Nutzungsraumes des Internets aus. Das Geschäft mit personalisierter Werbung brummt. Daher werden die Rechte der Nutzer stetig an den wachsenden Datenhunger angepasst. Facebook macht sich bereit für den Börsengang und greift auf sein Kapital zurück - Die Daten von Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Und das sind nicht (nur) Name und Anschrift und ein paar Bilder samt biometrischer Daten sondern auch aggregierte Daten, Beziehungsgeflechte, Kontaktinformationen, Verhalten und mehr. „Hier wächst eine 'Gated Community' globalen Ausmaßes heran. Eine abgeschlossene Gesellschaft, in der ein Konzern die Regeln macht.“, beklagte Rena Tangens anlässlich der Verleihung des Big Brother Awards 2011. In ihrer Laudatio[1] beschreibt sie Facebook als “eine Datenkrake mit unendlichem Appetit – und die Leute begeben sich freiwillig in ihre Fangarme und füttern sie.“ Mit der Bereitstellung immer neuer Dienste und der Integration immer weiterer Kommunikations- und Interaktionskanäle drängt sich Facebook als unentbehrliche Plattform seinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf und ist so auf dem besten Wege ein nie gesehenes Datenmonopol zu schaffen.

Das Dilemma der kritischen Masse

Viele Menschen, die unzufrieden mit dieser Unternehmenspolitik sind, sehen sich in einem Dilemma. Entweder auf die Vorzüge des digitalen gemeinsamen Raumes durch Nichtteilnahme zu verzichten oder Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte beim Login an der Tür zur Gated Community abzugeben.

Mit der individuellen Nutzung des Netzwerkes wächst der Monopolisten Facebook stetig weiter. Und weil "alle" dabei sind, kommen auch die anderen hinzu. Der Teufel scheißt halt immer auf den größten Haufen, weiß der Volksmund derb wie treffen zu sagen. Mit zunehmender Abhängigkeit der Menschen von einer einzigen Plattform nimmt die Marktmacht des Unternehmens zu. In dem Wissen, keiner Konkurrenz durch Plattformen mit ähnlich großem Nutzerinnenkreis ausgesetzt zu sein, kann Facebook den Nutzern Bedingungen diktieren, die nicht in deren Interesse sind. Kommerzielle Nutzungspläne, sowie die Interessen von Strafverfolgungsbehörden und Werbeindustrie werden dabei über die Persönlichkeitsrechte der Nutzerinnen gestellt.

Die Bedeutung des öffentlichen Raumes für die Demokratie

In einer Demokratie gehört öffentlicher Raum zur kritischen Infrastruktur der freien Gesellschaft, da dort zentrale Prozesse der öffentlichen Debatte stattfinden können. Das größte Kapital jedes sozialen Netzwerkes sind seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ohne eine kritische Nutzerinnenmasse ist ein Netzwerk wertlos. Für eine freie Gesellschaft bedeuteten Datenmonopolisten wie Facebook jedoch den Ausverkauf des digitalen öffentlichen Raumes und die Abkehr vom dezentralen Paradigma der Netze. Tim Berners-Lee[2] selbst beklagte, dass Facebook das Internet selbst ausblute: Viele Nutzer halten sich nur noch in Facebook auf. Es gibt bereits Telefonprovider, die zwar kein Internet, aber einen Facebookzugang zum Smartphone 'beilegen'.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Und dies wird sich auch im digitalen Zeitalter nicht ändern. Es liegt an den Nutzerinnen, sich den Raum, den sie für die Entfaltung ihrer Persönlichkeit brauchen, auch digital zu erstreiten. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Protesten gegen die Unternehmenspolitik von Facebook. Denn den Menschen ist der Umgang des Unternehmens mit den Daten ihrer Teilnehmerinnen nicht geheuer, so viel ist sicher. Die Menschen wünschen sich ein echtes soziales Netzwerk, sie wünschen sich eine Alternative – ein soziales Netzwerk, was den Namen "sozial" auch verdient. Einen sozialen Schwarm, neudeutsch: "Social Swarm".


Text: Katharina Maria Nocun und Freunde
28.06.2012 01:13
Spenden
Keine Big Brother Awards mehr ohne mich?
Kleine Spende. Große Wirkung. Jeden Monat
« April 2014 »
So Mo Di Mi Do Fr Sa
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30