Mit über 70.000 Formularen zur GEMA
Komponist protestiert mit Kunstaktion gegen das Urheberrecht
Im Rahmen der Kunstaktion "product placements" wird der Komponist Johannes Kreidler am 12. September 2008 sein neustes Werk ordnunsgemäß bei der GEMA anmelden. Das besondere: Sein 33 Sekunden langes Stück besteht aus über 70200 Samples ("Fremdzitaten") und für jeden Fremdanteil am eigenen Werk muss ein eigenes Formular bei der GEMA eingereicht werden. Mit dieser Aktion möchte der Künstler Mängel im deutschen Urheberrechtssystem aufzeigen.
In seiner Pressemitteilung schreibt der Künstler:
"Die heutigen Technologien ermöglichen es, Kulturgüter in gigantischen Dimensionen zu verbreiten und kreativ weiterzuverarbeiten [...] leider steht dem auf rechtlicher Seite das veraltete Urheberrecht im Weg." Das Kopieren als Kulturtechnik habe sich durch die digitalen Medien zum allgemeinen Kunst- und Kommunikationsmittel entwickelt. Durch einen seiner Ansicht nach unsinnigen Schutz geistigen Eigentums würde diesem Fortschritt jedoch geradezu prohibitiv entgegengewirkt. Dabei sei in der digitalen Welt doch gar nicht mehr klar definierbar, was das Eigene und was das Fremde an einer schöpferischen Leistung ausmache. "Jeder Künstler ist eine Verwertungsgesellschaft!"
Zur Übergabe der 70200 Formulare am Freitag, 12. September 2008 um 11 Uhr bei der GEMA-Generaldirektion Berlin, Bayreuther Straße 37 hat der Komponist einen Lastwagen und Trägern angemietet. "Presse und Schaulustige sind zu der "musik-theatralen" Aktion ausdrücklich willkommen", so Kreidler in seiner Nachricht. Vor Ort möchte der Künstler auch Alternativen, wie die Kulturflatrate, mit den Anwesenden diskutieren.
Der FoeBuD unterstützt dieses Anliegen. Als Mitinitiator der Faisharing-Kampange setzte er sich bereits 2004 für eine Reformierung des Urheberrechts über die Einführung einer Kulturflatrate ein. Dies bedeutet, dass es Privatpersonen erlaubt wäre, audiovisuelle Werke beliebig nicht-kommerziell zu kopieren, zu bearbeiten und weiter zugeben. Eine Vergütung zugunsten der UrheberInnen würde durch die Erhebung eines Pauschalbetrags finanziert werden. Dieser würde einmalig beim Kauf von Aufnahmegeräten und Leermedien, sowie monatlich je nach Art des Internetzugangs erhoben werden. Das Projekt wird inzwischen vom Netzwerk Freies Wissen in ähnlicher Form weitergeführt.
Weitere Informationen
- Link zur Webseite der Kunstaktion "product placements": klick
- Der Wortlaut der Pressemeldung des Komponisten Johannes Kreidler: klick
- Link zur Faisharing-Webseite: klick
- Link zum Netzwerk freies Wissen: klick
Text zur Veröffentlichung freigegeben. Beleg(Link) erbeten
20.08.2008 16:48

