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Fußball-WM 2006: Fans unter Generalverdacht (21.1.2005)

Inquisitorische Fragebögen und verwanzte Tickets

"Auch wer kein Ticket bekommt, ist seine Daten los"

Wer sich ein Spiel der Fußball-WM in Deutschland 2006 ansehen will, muss sich vorher komplett durchleuchten lassen. Erst werden per Fragebogen Personenprofile erstellt, die dann per Schnüffel-Chip (RFID) im Ticket mit Bewegungs-Profilen verknüpft werden können. "Die WM wird von Sponsoren und Überwachungs-Industrie missbraucht, um Schnüffel-Technik einzuführen und die Fans auszuspionieren", kritisiert Rena Tangens vom FoeBuD e.V. aus Bielefeld. Und das trifft nicht nur die, die wirklich in die Stadien kommen, sondern sogar schon die, die ab 1. Februar die Tickets im Internet beantragen und bei der Ticket-Vergabe später leer ausgehen.

Nicht nur zwischen Fans und Mannschaften soll ein Funke überspringen - bei der Fußball-WM 2006 funkt auch jedes einzelne Ticket. Kleine RFID-Schnüffelchips (RFID = Radio Frequency IDentification) sollen angeblich die Sicherheit bei der WM erhöhen - ein Wundermittel gegen Terroristen, Hooligans und Schwarzmarkt sollen sie sein. "Schnüffelchips verhindern kein Gerangel, keine Attentate, keine Schlägereien oder Wutausbrüche", sagt FoeBuD-Vorstand padeluun. "Im Gegenteil, sie vermitteln die Illusion, Überwachung sei das gleiche wie Sicherheit."

Personenprofile per Fragebogen:

Am kommenden Montag, 24.1.2005, gibt das WM-Organisationskomitee Einzelheiten zur Bestellung der Tickets bekannt. Bislang ist nur durchgesickert, dass die Tickets ab 1. Februar per Internet "beantragt" werden können. Schon in diesem Fragebogen, verniedlichend wurde er schon euphemistisch "Wunschzettel" genannt, müssen sie viele persönliche Daten bekannt geben. Zum Beispiel: ihr Geburtsdatum, ihre Pass- oder Personalausweis-Nummer, Telefon- und Faxnummer., E-Mail, Bank- oder Kreditkarten-Daten, sowie die eigene Leidenschaft für einen bestimmten Verein. Und das sollen die Fans nicht nur für sich angeben, sondern ggf. auch für andere Personen, für die sie Karten mit bestellen. Diese Daten werden dann nicht nur dem Ticket-Verkauf, sondern auch den Sponsoren und an der WM beteiligten Drittländern zugänglich gemacht. "Wen in Nigeria geht meine E-Mail-Adresse etwas an? Wieso soll Sponsor Philips erfahren, welchem Verein mein Herz gehört? Und was berechtigt mich, die Daten meines Freundes, für den ich ein Ticket mit ordere, preis zu geben?", kritisiert FoeBuD-Vorstand padeluun.

Begründet wird diese unverhältnismäßige Daten-Hamsterei damit, man wolle bekannte Hooligans herausfischen. Und viele Millionen Fans sollen sich dafür durchleuchten lassen. "Es ist ein Unding, dass DFB und FIFA die Tickets nur ausgeben, wenn man sensible Daten von sich und anderen preis gibt. Diesem Zwang sollten sich die Fans nicht aussetzen", rät Rena Tangens, vom FoeBuD. "Fans sollten vom DFB fordern, dass dieses Verfahren geändert und der Fragebogen auf die Bestell-Adresse reduziert wird. Bis dahin sollten sie die WM aus Sicherheitsgründen boykottieren. Die Gefahren für die Privatsphäre sind erheblich, denn Daten, die man einmal abgegeben hat, holt man nie wieder zurück."

Bewegungsprofile per Funk:

Die endgültigen Tickets, die erst kurz vor der WM im Frühjahr 2006 verschickt werden, sollen RFID-Chips enthalten (Mehr zur Technik unter http://www.stoprfid.de). Diese Chips sind heimlich per Funk auslesbar, das heißt, dass die Fans nicht mehr merken, wann, wo und von wem sie kontrolliert werden. Damit sind perfekte Bewegungsprofile von Fans im Stadion möglich. Lesegeräte können nicht nur am Eingang, sondern auch am Tor zu jedem Block, am Fan-Shop und an den Toiletten angebracht werden, und die Verantwortlichen (DFB? FIFA? Private Sicherheitsdienste? Dienstleister?) wissen jederzeit, wer sich wo aufhält. So entstehen Datenmengen, die ebenfalls wieder allen an der WM Beteiligten zugänglich gemacht werden können, und die u.a. für die Sponsoren von großem Interesse sein dürften.

Bei dieser Technik geht es ums Ausspionieren der Fans, so Helmut Bäumler, ehemaliger Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein, vor einigen Monaten in einem ARD-Interview:
"Es kommt gar nicht mehr drauf an, wer die Karte hat, die Karte ist nicht das Entscheidende. Welche Person ist im Stadion, das will man damit feststellen können. Und so sehr ich Verständnis dafür habe, dass man Fußball-Rowdies rechtzeitig abwehren und erkennen möchte, hier sieht man ganz genau, wohin diese Technologie führt, nämlich zur Überwachung von Menschen."

Fußball-Fans wollen sich das nicht gefallen lassen

Widerstand formiert sich bereits. Das Bündnis aktiver Fußball-Fans (BAFF, http://www.aktive-fans.de) stellte im Dezember einen Kongress unter das Thema "Datenschutz, Überwachung und WM 2006 - Fußball-Fans als Versuchskaninchen?" Dass Widerstand wirkt, zeigt das Beispiel der Metro AG (Kaufhof, real, Extra, Saturn, MediaMarkt). Nach Protesten des FoeBuD hat der Konzern im Frühjahr 2004 seine RFID-verwanzten Kundenkarten aus dem Verkehr ziehen müssen.

Mehr erfahren Sie unter:
http://www.stoprfid.de
http://www.aktive-fans.de
http://www.bigbrotherawards.de
http://www.foebud.org

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Ansprechpartner: Rena Tangens und padeluun
Telefon: 0521-175254
Mail: mail@foebud.org

22.09.2005 18:42
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